Dienstag, 11. Januar 2011

Zweiundzwanzig

frag nicht der grund ist fern
du bleibst in der seele der wichtigste stern

der mich aus tiefster nacht erweckt
und bittre tränen rasch verdeckt

ein stern der liebe mit sich bringt
und alle traurigkeit bezwingt

ein licht das hoffnung in sich trägt
sich freudig himmelwärts bewegt

Sonntag, 9. Januar 2011

Einundzwanzig

odeonsplatz

eins im leben einmal nur
zeichnet einer tiefe spur -

hörst dich zögernd selbst verdichten
kreist erstarrt nur um geschichten

die nie warn und niemals sind
tief vergraben bleibst du kind

dreh dich um! denkt hohler wahn
an der notbrems drängt die bahn

fährt sie weg einsam der blick
es pocht ein brennend herz zurück

bald vergehts! du narr! du narr!
vergiss was einst und niemals war

bleibt zurück ein leerer platz
gott verrückt niemals den schatz

weilst noch länger in dem schacht
verlierst du alles letztlich acht

und hab und gut und herz und seele
siehst du nicht wie es dich quäle

schon vergings! du narr! du narr!
vergaßt was einst und niemals war

zeit eilt fort und auch das ende
irgendwie fand sich die wende:

seh mich selbst noch täglich stehn
doch die welt ward seltsam schön

denn wie fern wirkt winters zeit
frühling griff sich selten weit

stadt verwechselt hell das licht
augsburg lächelt münchen nicht

geh nun wieder zur u3
wirkt auf einmal alles frei

da herz so froh und fromm und schön
(soll ihn halt nie wieder sehn)

Sonntag, 12. Dezember 2010

Zwanzig

romantik

gelacht haben wir

über die
einheit des wesens
erfüllung im diesseits
ewige sehnsucht

mein schatz

ha! ha!

Freitag, 3. Dezember 2010

Neunzehn

warten im hass

zum glück warten wir noch auf anschlussreisende
und spielende kinder auf den gleisen
die wie kühe grasend die spur blockieren

denn selbst wenn nicht verspätung aus vorheriger zugfahrt
und kupplungsprobleme am triebfahrzeug
einem umgestürzten baume gleichsam

und letztlich auch das problem am stellwerk
dank mehrfach gezogener notbremse
umfangreiche gleisbauarbeiten zur folge hätten

dann würden wir wegen überraschend hoher streckenauslastung
und überholender schnellzüge, vorausfahrender s-bahnen
und kurzsichtiger polizeieinsätze am bahnsteig

und widrigen witterungsbedingungen bei hitze und schnee
und gestörten weichenanlagen zum trotze
auf ein im bahnhof belegtes gleis treffen

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Achtzehn

fragmente

blau wurd schwarz
aus tag wurd nacht

und die wurd
auch noch spät

also wacht ich wieder
in finstrer nacht

ich schlaft und bangt
ich grübelt und grollt

und vergesst schließlich
alles ein wenig

am ende sogar
die konjugation

Montag, 29. November 2010

Siebzehn

frühlingsgedichte IV

seit wochen schon regnet es
in meinen kopf

spann doch den schirm auf
hör ich mich fern rufen

ha!

wie gerne würde ich
mir ins trocken folgen

wäre der schirm nicht schon
im letzten sturm zerbrochen

Mittwoch, 17. November 2010

Sechzehn

abschied von münchen I

münchen drehte sich im kreise
fand den weg nicht zweifelt leise

münchen nahm so viel in kauf
ab nach ab gings ab nie auf

münchen floh sich selbst entzwei
fand in augsburg allerlei

glück und ruh und lieb und leben
konnt es etwas schönres geben

münchen denkt auf einmal schlicht
sieht es denn den schnellzug nicht

der nach münchen fährt all stund
ach wie schwer schließt sich die wund

die verheilt durch eines nur
tausend dichter auf der spur

schrieben auf empfindungs diebe
liebe löscht allein - die liebe