Freitag, 20. Mai 2011

Vierundzwanzig

erinnerung

die zeit vergeht sich
an dem roten griff

den ich heute schon
an einer neuen roten

notfallsäule

seh mich um verblasst das
blau und mit ihm die erinnerung

entstand mir nur selbst
im gedanken war es doch nichts

als die notbremse
an der ubahn

Dienstag, 5. April 2011

Dreiundzwanzig

im wundersamen mai

manchmal da klopft es in finstrer nacht
wenn hoffnung schläft und dunkelheit wacht

schreck ich dann auf und kummer tanzt hohl
merk ich ich kenn dich, vertraut bist du wohl

du altes biest!

manchmal da flieh ich der hellsten stund
wenn nichts mehr mich hält pocht wütend die wund

da seh ich dich wieder, der grund blickt verzückt
auf mich und er spiegelt die leere zurück

du altes biest!

manchmal da schlag ich dich bitterlich nieder
schon hälst du die hand fest und packest mich wieder

an der schulter zurück in die kälte mich ziehst
wo grübelns verderben kein lichtlein mehr sieht

du altes biest!

manchmal da fällst du zu boden, wirkst fern
nichts bleibt dann wie grundlos so hoffte ich gern

doch wo kein gott auch kein fallen mehr drin
stehst lachend du auf - ja wo keimt dann beginn?

du altes biest!

manchmal da bleibt nichts als nichts in der leere
und weltens verdruss wiegt wie selten und schwere

doch merk dir du biest du!

wenn hoffnung auch nichts sieht als liebende hände
welch chance hat das biest dann - es droht ihm das ende.

Dienstag, 11. Januar 2011

Zweiundzwanzig

frag nicht der grund ist fern
du bleibst in der seele der wichtigste stern

der mich aus tiefster nacht erweckt
und bittre tränen rasch verdeckt

ein stern der liebe mit sich bringt
und alle traurigkeit bezwingt

ein licht das hoffnung in sich trägt
sich freudig himmelwärts bewegt

Sonntag, 9. Januar 2011

Einundzwanzig

odeonsplatz

eins im leben einmal nur
zeichnet einer tiefe spur -

hörst dich zögernd selbst verdichten
kreist erstarrt nur um geschichten

die nie warn und niemals sind
tief vergraben bleibst du kind

dreh dich um! denkt hohler wahn
an der notbrems drängt die bahn

fährt sie weg einsam der blick
es pocht ein brennend herz zurück

bald vergehts! du narr! du narr!
vergiss was einst und niemals war

bleibt zurück ein leerer platz
gott verrückt niemals den schatz

weilst noch länger in dem schacht
verlierst du alles letztlich acht

und hab und gut und herz und seele
siehst du nicht wie es dich quäle

schon vergings! du narr! du narr!
vergaßt was einst und niemals war

zeit eilt fort und auch das ende
irgendwie fand sich die wende:

seh mich selbst noch täglich stehn
doch die welt ward seltsam schön

denn wie fern wirkt winters zeit
frühling griff sich selten weit

stadt verwechselt hell das licht
augsburg lächelt münchen nicht

geh nun wieder zur u3
wirkt auf einmal alles frei

da herz so froh und fromm und schön
(soll ihn halt nie wieder sehn)

Sonntag, 12. Dezember 2010

Zwanzig

romantik

gelacht haben wir

über die
einheit des wesens
erfüllung im diesseits
ewige sehnsucht

mein schatz

ha! ha!

Freitag, 3. Dezember 2010

Neunzehn

warten im hass

zum glück warten wir noch auf anschlussreisende
und spielende kinder auf den gleisen
die wie kühe grasend die spur blockieren

denn selbst wenn nicht verspätung aus vorheriger zugfahrt
und kupplungsprobleme am triebfahrzeug
einem umgestürzten baume gleichsam

und letztlich auch das problem am stellwerk
dank mehrfach gezogener notbremse
umfangreiche gleisbauarbeiten zur folge hätten

dann würden wir wegen überraschend hoher streckenauslastung
und überholender schnellzüge, vorausfahrender s-bahnen
und kurzsichtiger polizeieinsätze am bahnsteig

und widrigen witterungsbedingungen bei hitze und schnee
und gestörten weichenanlagen zum trotze
auf ein im bahnhof belegtes gleis treffen

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Achtzehn

fragmente

blau wurd schwarz
aus tag wurd nacht

und die wurd
auch noch spät

also wacht ich wieder
in finstrer nacht

ich schlaft und bangt
ich grübelt und grollt

und vergesst schließlich
alles ein wenig

am ende sogar
die konjugation